Kolumne Mai 2026

Muttertag(e)

Bevor die Königin ihrem Spiegel die wichtigste Frage stellte – die Frage, die über Leben und Tod entscheiden würde –, hat sie wahrscheinlich ihr kostbarstes Kleid angelegt, wahrscheinlich hat sie ihren Schmuck angelegt und ihre Krone aufgesetzt.

Ihre Frage lautete:

„Wer ist die Schönste im ganzen Land?”

„Ihr, Königin, seid die Schönste.”

Das hatte die Königin erwartet und damit war sie zufrieden.

Doch der Spiegel sprach noch weiter:

„Schneewittchen aber ist noch tausendmal schöner.”

(gemeint war ihre Stieftochter, …)

Von diesem Moment an war das Leben von Schneewittchen gefährdet.

Wir wissen, wie die Geschichte ausging:

Schneewittchen überlebte alle Mordversuche und am Ende bekam sie ihren Prinzen: Ein Happy End.

„Und wenn sie nicht gestorben sind – so leben sie noch heute.“

So endet dieses Märchen.

Was nicht endet und in allen Zeiten und Generationen und in allen Kulturen weiterlebt, ist Neid, Eifersucht und Konkurrenz – auch zwischen Frauen.

Davon erzählt auch eine andere Geschichte aus dem Alten Testament. (1. Buch Samuel, 1)

Auch sie hat ein Happy End, aber ein anderes als das aus dem Märchen.

Wir tauchen in diese Geschichte ein mit dem Satz:

„Da stand Hanna auf.”

Hanna steht auf und sie gewinnt einen Überblick über ihre Situation:

Sie sieht eine große Kinderschar um sich herum.

Aber sie ist nicht die Mutter.

Peninna, die andere Ehefrau ihres Mannes, hat sie geboren.

Hanna weiß, dass sie von Elkana, ihrem Mann, geliebt wird, doch sie konnte ihm bisher kein Kind schenken.

Mit der Zeit ist zwischen den beiden Frauen eine zunehmend belastende Stimmung entstanden:

Peninna kränkt und reizt Hanna. Und Hanna weint viel.

Bis zu dem Augenblick, als sie aufsteht.

Sie entfernt sich von dem Ort ihres Kummers und ihrer Kränkung.

Sie geht in die Einsamkeit, in die Stille, wo sie Gott nahe sein kann. Und sie tut das auf ihre ganz persönliche Weise. Und all ihre Schritte sind gleichzeitig Schritte zu sich selbst.

Und sie beginnt ihr inneres Zwiegespräch mit Gott, vielleicht so:

„Aus der Tiefe rufe ich, HERR, zu dir. Herr, höre meine Stimme! Lass deine Ohren merken auf die Stimme meines Flehens!” (Ps. 130)

Und sie bittet um einen Sohn.

Eli, der Priester, hört sie und sagt: „Geh hin in Frieden, Gott wird dir deine Bitte erfüllen.”

Da ging Hanna ihres Weges und sah nicht mehr so traurig aus:

(Happy End 1)

Ein Jahr später bringt Hanna einen Sohn zur Welt, sie nennt ihn Samuel: (Happy End 2)

Aus Samuel wird ein bedeutender Prophet: (Happy End 3)

Und wenn sie nicht gestorben sind, leben die Mütter (und Väter) noch heute, die Vertrauen, Mitgefühl und Mut leben – und damit Kriege und Gewalt verhindern.

Bärbel von Busch

Happy End